Neubau ist „Meilenstein in der Stadtgeschichte"
Millionenprojekt Feuerwehrmagazin: Jörg Kaltenbach über Symbolik, Hürden und den Zeitplan
Die Weichen für das neue Magazin der Feuerwehr Mühlheim und Stetten an der Donau sind bereits im Herbst 2012 gestellt worden.
Das war weit vor der Fusionierung der beiden ehemals eigenständigen Abteilungen im Mai 2017. Nun hat der Bau begonnen. Mühlheims Bürgermeister Jörg Kaltenbach spricht mit unserer Redakteurin Linda Seiss über die Bedeutung des Millionenprojekts, den Zeitplan und die Beeinträchtigung durch Corona.
Herr Kaltenbach, am Standort des neuen Feuerwehrmagazins, das zwischen der Mühlheimer Vorstadt und Stetten gebaut wird, sind die ersten Bagger angerückt. Was bedeutet der Bau des Magazins für die Stadt Mühlheim?
Der Bau ist sicherlich ein Meilenstein in der Stadtgeschichte - insbesondere für die der Feuerwehr. Es ist ein starkes Symbol für das Zusammenwachsen von Mühlheim und Stetten in den gut 48 Jahren seit der Eingemeindung.
Zusammengewachsen sind seit Mai 2017 auch die ehemals eigenständigen Feuerwehren aus Mühlheim und Stetten. Ein Anreiz für die Fusionierung war auch der Bau des neuen, gemeinsamen Feuerwehrmagazins.
Können Sie sich daran noch erinnern?
Ja, da kann ich mich sehr gut daran erinnern. Wir haben bereits im Herbst 2012 seitens des Gemeindeund Ortschaftsrats zusammen mit dem Feuerwehrausschuss die Weichen für ein gemeinsames Feuerwehrmagazin gestellt. Gegen Ende der ersten Jahreshälfte 2013 haben
wir einen geeigneten Standort gefunden und dann öffentlich erklärt, dass wir ein gemeinsames Magazin bauen wollen.
Ziel war, dass die beiden Abteilungen aus Mühlheim und Stetten zum Zeitpunkt des Einzugs ins neue Magazin möglichst fusionieren sollen. Dann hat ein sehr guter Prozess stattgefunden. Die Führungskräfte der Feuerwehren haben das sehr gut angegangen und gemeinsame Proben
und Kameradschaftsabende organisiert.
Irgendwann gab es ausschließlich gemeinsame Aktivitäten.
Das Fahrzeug aus Stetten wurde in Mühlheim abgestellt und im Alarmierungsfall trafen sich alle Kameraden im Mühlheimer Magazin und rückten gemeinsam aus. Dann kam im Mai 2017 die Fusion. Politisch hätte uns nichts besseres passieren können, als dass die Feuerwehr diesen angedachten Prozess beschleunigt
hat. Es gibt mehrere Beispiele aus anderen Kommunen, bei denen ganze Abteilungen im Zuge von Fusionsüberlegungen ihren Dienst quittierten.
Das war also vorbildlich, dass sie sich das Zusammenwachsen als gemeinsames Ziel auf die Fahnen geschrieben haben.
Mit als erstes musste ein geeigneter Standort gefunden werden. Warum haben Sie sich für den jetzigen Standort entschieden?
Insgesamt wurden fünf oder sechs Standorte untersucht, immer im Dialog zwischen Feuerwehr, Kreisbrandmeister, Gemeinde- und Ortschaftsrat.
Der jetzige Standort hat sich schnell als einsatztaktisch bester Standort herausgestellt. Er hat den Vorteil, dass er im Bereich der Mühlheimer Vorstadt liegt. Dort ist auch der Siedlungsschwerpunkt, viel Gewerbe, Schul- und Sportanlagen.
Die Einrückzeit ist also deutlich geringer und auch die Ausrückzeit bei Bränden in der Vorstadt, wo potenziell die größte Brandgefahr ist, ist kürzer. Auch für die Oberstadt stellt der Standort keinerlei Verschlechterung dar, für die Vorstadt und Stetten aber eine klare Verbesserung.
Außerdem liegt der Standort direkt an der Gemarkungsgrenze - ist also auch aus politischer Hinsicht ein idealer Standort. Wenn man den besten Standort bekommt, braucht man auch keinen andern Standort zu nehmen.
Nachdem der Standort gefunden war, begannen die Grundstücksverhandlungen. Parallel dazu wurden Proben genommen, um auszuschließen, dass Altlasten auf dem Grundstück sind und um die Standhaftigkeit zu prüfen. Dann wurde das Bebauungsplanverfahren gestartet, bei dem zusätzlich zwei gewerbliche Bauplätze generiert und eine Betriebserweiterung ermöglicht werden konnte, die ansonsten nicht möglich gewesen wäre. Jetzt freuen wir uns, dass es losgeht.
Welche Hürden mussten denn bis zum Baustart genommen werden ?
Der Planungsprozess selbst hat recht lange gedauert. Erst nachdem wir die Zuschussanträge für einen Fachzuschuss vom Land (275 000 Euro) und einen Zuschuss aus dem Ausgleichsstock (400 000 Euro) eingereicht hatten und diese genehmigt waren, konnten wir die Planungsleistung ausschreiben. Das Problem war, dass
wir einen europaweiten Wettbewerb machen mussten. Alleine dieses Verfahren hat einen ordentlichen fünfstelligen Betrag gekostet.
Wir mussten einen Architekten und einen Anwalt dafür beauftragen, eine kleine Verwaltung wie unsere kann diese komplizierte Verfahren nicht bewerkstelligen. Wegen der Hochkonjunktur in allen Bereichen, auch im Bau, war das Interesse zudem recht überschaubar.
Wir haben aber eine tolle Planungsmannschaft zusammenbekommen.
Nachdem Ende 2018 mit den Planungen begonnen werden konnte, wurde diese mitsamt Kostenschätzung gegen Ende Juni 2019 eingereicht. Im Oktober wurde dann der Beschluss für die Ausschreibung getroffen und im Januar dieses Jahres die meisten Arbeiten vergeben. Die übrigen fünf
Gewerke werden jetzt per Umlaufbeschluss vergeben. Es steht nur das Mobiliar als letztes Gewerk aus.
Wie werden die ersten Wochen ablaufen?
Baustellenbesuche werden nicht möglich sein. Bis auf Weiteres können keine physischen Baustellen-Jour-Fixe stattfinden.
Der Bauleiter wird aber mehrmals die Woche vor Ort sein und Berichte schreiben. Fragen werden dann telefonisch geklärt.
Bei den Planungen war auch die Feuerwehr eingebunden. Was wird das neue Feuerwehrmagazin zu bieten haben? Und auf was musste die Wehr verzichten?
Es gibt eine Vorgabe des Landes, welche Räumlichkeiten, auch in welcher Größe, mindestens angeboten werden müssen, dass es überhaupt eine Förderung gibt. Beispielsweise muss jede Person 1,5 Quadratmeter Platz im Aufenthaltsraum haben.Das Sozialgebäude verfügt unter anderem über einen Funkraum, ein Lagezentrum, einen Schulungsraum sowie einen Jugendraum. Wir haben fünf Boxen für vier Fahrzeuge, eine Box ist quasi Reserve. Dort wird unter anderem ein Notstromaggregat gelagert. Eine weitere Box wäre baulich noch möglich. Die Feuerwehr hätte gerne direkt eine sechste Box sowie eine eigenständige Waschbox gehabt, das mussten wir aber streichen. Im Hof gibt es aber eine Möglichkeit, die Einsatzfahrzeuge abzuspritzen. Auch eine eigene Schlauchwaschanlage gibt es nicht. Da haben wir aber Unterstützung aus Tuttlingen angeboten bekommen. Wir können die Schläuche zur Reinigung und Überprüfung dorthin bringen. Der 14 Meter hohe Feuerwehrturm, hätte eigentlich erst in einem zweiten Bauabschnitt kommen sollen. Allerdings wären die Zusatzkosten zu hoch gewesen, deswegen machen wir das komplette Magazin in einem, was sicherlich von Vorteil für die Feuerwehr ist. An den Turm kommt auch die 112 als großer Schriftzug, der beleuchtet werden kann, damit man das Gebäude auch von Weitem wahrnimmt.
Bis wann soll das Feuerwehrmagazin fertiggestellt sein - also wann sollen die Feuerwehrleute einziehen können ?
Vorgesehen ist, dass die Feuerwehr Ende April nächsten Jahres einziehen kann. Jetzt müssen wir schauen, ob das coronabedingt klappt. Auf ein paar Monate kommt es im Notfall auch nicht an, Hauptsache, die Qualität stimmt.
Die Stadt Mühlheim investiert rund 4,3 Millionen Euro in den Neubau. Gehen Sie davon aus, dass es dabei bleibt ?
Es sind alle Arbeiten ausgeschrieben - mit Ausnahme der Ausstattung. Aber da liegt uns bereits ein Angebot vor. Ein Kostenrisiko besteht eigentlich keins. Das größte Risiko, das ich sehe, ist eigentlich Corona.

erschienen: schwaebische.de 14.04.2020