Feuerwehr übt mit schwerem Gerät
Blech schneiden, Türen aufspreizen und Glasscheiben heraustrennen: Die Freiwillige Feuerwehr Mühlheim und Stetten hat am Samstag den Ernstfall geprobt. Dabei kam vor allem schweres Gerät zum Einsatz.
Nach einem Verkehrsunfall ist der Fahrer in dem völlig deformierten Auto eingeklemmt. Er ist verletzt und muss schleunigst ins Krankenhaus. Doch zunächst müssen ihn die Einsatzkräfte aus dem Autowrack befreien. Einsätze wie dieser sind keine Seltenheit. Deshalb muss im Ernstfall jeder Handgriff sitzen.
Deshalb haben sich 20 Wehrleute aus Mühlheim intensiv mit der Rettung aus Unfallautos beschäftigt – in Theorie und Praxis. Dabei durften sie es im wahrsten Sinne krachen lassen. Dafür müssen an diesem Nachmittag drei schrottreife Kleinwagen herhalten. Nach einer kurzen Einführung von Instructor Bernd Fetzer von Weber Rescue Tec, einem Unternehmen, das das Rettungswerkzeug vertreibt, teilen sich die Kameraden in drei Gruppen und auf drei Stationen auf.
Die Mühlheimer bringen ihre Helme an, klappen das Visier herunter und greifen nach dem schweren Gerät. Zum Einsatz kommen neben der Rettungsschere auch der Spreizer und Rettungszylinder. Ihr Ziel: eine schonende Rettung.
Ein Opel liegt nach einem Unfall auf dem Dach. Jetzt heißt es, sich Zugang zum Patienten zu verschaffen – dabei zählt jede Minute. Sie spreizen das Blech und brechen die Tür auf. Zwei weitere Feuerwehrleute verschaffen sich mit schwerem Gerät weiteren Zugang ins Fahrzeuginnere. Die Kameraden verschaffen sich Platz zu den Füßen des Patienten, trennen mit einem Pedalschneider Gas, Bremse und Kupplung ab.
Eine ähnliche Situation trägt sich wenige Meter weiter zu. Dort steht ein Renault zwar auf den Rädern, die Arbeit macht dies dadurch aber nicht leichter. Hier gilt es, Vorder- und Hintertüre in einem Zug herauszunehmen, um einen großzügigen Zugang zum Fahrer und den Personen auf dem Hintersitz zu erlangen. „Von vorne ansetzen“, gibt Fetzer den Befehl zum richtigen Umgang mit dem Spreizer.
Ohnehin ist der richtige Handgriff und so manch andere Feinheit beim Aufbrechen des Autos wichtig. Die Säule zwischen den Türen trennen die Kameraden mit einer Rettungsschere ab. „Bewegt sich was?“, fragt der Instructor. Wenige Sekunden darauf rührt sich tatsächlich etwas. Dumpfe Schläge, leises und lautes Knacken und mehrere Befehle wechseln sich ab. Die Feuerwehrleute klappen beide Türen miteinander nach vorne weg – der Weg ins Fahrzeuginnere zum Patienten ist frei.
Tipps und Tricks für die Feuerwehr
„Mit der Mühlheimer Wehr müssen wir nicht bei null anfangen und können hoch einsteigen. Ich brauche ihnen nicht zu erklären, wie sie mit einer Schere oder einem Spreizer umzugehen haben. Vielmehr geht es um Optimierungen, Tipps und Tricks“, sagt Bernd Fetzer. Die Kameraden seien auch in der Theorie interessiert und mit guter Beteiligung dabei gewesen und hätten beispielsweise gelernt, was zu tun ist, wenn noch kein Rettungsdienst vor Ort ist und was es speziell bei Elektro- und Gasautos zu beachten gibt.
Ein dritter Wagen liegt auf der Seite und muss gegen Umkippen zunächst stabilisiert werden. Im zweiten Schritt klettern die Mühlheimer mit einer Leiter zur Fahrerseite nach oben. Die Fahrertür des blauen Wagens wird abgetrennt, ein Teil der Windschutzscheibe herausgeschnitten und schließlich auch das Dach abgetrennt und zur Seite geklappt. Fetzer unterbricht immer wieder die Aktionen, erklärt, gibt Hinweise und stellt der Wehr Fragen.
Patienten dürfen nicht verletzt werden
Eins war allerdings zu jeder Zeit klar: Drei unterschiedliche Ausgangssituationen, aber das gleiche Ziel: Den Patienten durch die Rettung keine weiteren Verletzungen zuzufügen und den Rettungskräften einen bestmöglichen Zugang zu ihnen zu verschaffen. Hochkonzentriert versuchte diese Aufgabe auch der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Mühlheim, Armin Ulrich, zu meistern. „Die Fortbildung hat uns allen viel gebracht und obendrauf Spaß gemacht. Die Schulungen sind einfach wichtig, weil die Technik sehr schnelllebig ist, vor allem an den Autos. Was das betrifft sind wir für die nächsten drei Jahre gerüstet“, so das Fazit von Ulrich. Nach der siebenstündigen Fortbildung und beim Anblick der drei Fahrzeuge nach den Übungen ist deutlich: Die Autos sind reif für die Schrottpresse.

erschienen: schwaebische.de 10.06.2019