Schulungsräume, Werkstätten, Lagerflächen: Das hat das neue Feuerwehrmagazin zu bieten
Eine Feuerwehr, ein Magazin: Mit der Fusionierung der bis 2017 eigenständigen Wehren Mühlheim und Stetten war klar, dass sie künftig auch von einem gemeinsamen Standort ausrücken wollen. Bei der Gestaltung duften die Kameraden – sofern es das Budget zuließ – einiges mitbestimmen. Und im Gegensatz zum alten Feuerwehrmagazin in der Oberstadt, hat das neue Domizil das ein oder andere Upgrade parat.
Sozialtrakt
Umkleidekabinen: Das Feuerwehrmagazin in der Vorstadt hat zwei Umkleidekabinen samt Duschen: eine für Frauen und eine für Männer. Auch die Jugendfeuerwehr hat in den Umkleideräumen ihren Platz gefunden. 50 Spinde, ausgestattet mit Einsatzkleidung – von Helmen über die Jacke bis hin zu den Schuhen – sind beispielsweise bei den Männern aufgestellt. Noch sei aber, was die Personenanzahl angehe, Luft nach oben. Bei den Feuerwehrmännern hätten beispielsweise noch zehn weitere Kameraden Platz, erklärt der stellvertretende Kommandant Jan Prior.
Jugendfeuerwehr: Auch für den Feuerwehrnachwuchs gibt es im neuen Magazin einen eigenen Raum. „Den können die Jugendlichen nach ihren Wünschen einrichten“, erklärt Feuerwehrkommandant Armin Ulrich. Wegen Corona sei das aber etwas in Verzug geraten. Bisher steht unter anderem ein Tischkicker darin.
Küche/Gemeinschaftsraum und Schulungsräume: Leuchtend rot wie die Feuerwehr ist auch die Küchenzeile im Feuerwehrmagazin. An einer Theke sowie an einem Tisch, der vom alten Magazin mit umgezogen ist, können sich die Wehrleute nach Proben oder Einsätzen zusammensetzen. Die Räumlichkeiten seien aber auch als Notanlaufpunkt für Ausnahmefälle gedacht, wie Ulrich berichtet. In der Regel trennt eine Wand den Gemeinschaftsraum vom Schulungsraum. „Es ist so ausgelegt, dass wir Lehrgänge anbieten können“, sagt Ulrich. Im Herbst soll beispielsweise der Grundlehrgang zum Truppmann stattfinden. Fällt eine Schulungsgruppe größer aus, kann der Raum erweitert werden, indem man die Trennwand entfernt.
Lageraum: Auf einer Tafel sind Notizen für den Ernstfall vermerkt. „Ende Mai haben wir uns auf die Unwettersaison vorbereitet“, erklärt Prior. Bei größeren Schadenslagen setze sich eine Gruppe im Lageraum zusammen, um das Vorgehen zu besprechen. Unter anderem wird an der Tafel festgehalten, welche Fahrzeuge wo im Einsatz sind und welche Einsätze Priorität haben.
Funkraum/Einsatztentrale: In der Funkzentrale gibt es zwei Funkplätze. An zwei unabhängigen Plätzen kann beispielsweise mit den Fahrzeugen und der Leitstelle parallel Kontakt gehalten werden. „Wir sind so weit vorbereitet, dass wir, wenn der Digitalfunk im Landkreis flächendeckend umgesetzt wird, startklar sind“, erklärt Ulrich. Vom Funkraum aus sieht man in die Fahrzeughalle und hat das Geschehen im Falle eines Einsatzes bestens im Blick.
Fahrzeughalle
Fahrzeuge: In der Fahrzeughalle stehen neben der Drehleiter und dem Mannschaftstransportwagen (MTW) auch zwei Löschfahrzeuge. „Hier ist es viel geräumiger als im alten Magazin“, erinnert sich Prior an die vergleichsweise niedrige Decke am Standort in der Oberstadt. Das hat einen Vorteil: „Wenn man ein Fahrzeug reparieren muss, kann man überall aufs Dach steigen.“
Atemschutz-Raum: Zudem gelangen die Einsatzkräfte der Feuerwehr Mühlheim und Stetten von der Fahrzeughalle aus beispielsweise in den Atemschutz-Raum. „Wir sind so ausgerüstet, dass wir die Atemschutzmasken reinigen, prüfen und warten können“, erklärt Ulrich. Dazu kommen diese in eine Art Spülmaschine. Anschließend werden sie getrocknet – das Gerät dafür sieht aus wie ein Backofen. Abschließend wird jede Maske nach dem Reinigen überprüft. Der Vorteil: Dadurch könne der Weg zur zentralen Atemschutzwerkstatt nach Spaichingen gespart werden.
Werkstatt: Auch eine Werkstatt ist Teil des Feuerwehrmagazins. „Für kleinere Reparaturen, beispielsweise an Funkgeräten oder Schläuchen“, so Ulrich. An einem PC-Arbeitsplatz könne der Gerätewart auch die notwendigen Prüfungen dokumentieren.
Kleiderkammer: Neu ist die Kleiderkammer. Darin gelagert sind Einsatzklamotten, Schuhe, Uniformen, Helme und Handschuhe. Selbst wenn also die Ausrüstung beim Waschen in Tuttlingen ist, kann die Feuerwehr auf Einsatzkleidung zurückgreifen, erklärt Ulrich.
Lagerflächen: Am Ende der Fahrzeughalle rankt ein Materiallager empor. Ölsperren, Wassersauger und Auffangbehälter für Flüssigkeiten, die nicht in den Kanal gelangen dürfen, sind darin unter anderem gelagert. Auch Sandsäcke hat die Feuerwehr vorrätig. „In der Hoffnung, dass man sie nie braucht“, sagt Ulrich und verweist auf die jüngste Hochwasserkatastrophe in Teilen Deutschlands.
Ebenfalls in der Fahrzeughalle befindet sich zudem ein Schlauchlager. Denn nach den Einsätzen werden die dreckigen Schläuche, so wie die Einsatzkleidung, nach Tuttlingen zum Waschen und Prüfen gebracht. „Wir haben immer doppelt so viele Schläuche, wie auf den Fahrzeugen sind, in der Halle“, sagt Ulrich. Er geht zu einem der Schläuche und zeigt auf einen Barcode. Mit diesem lasse sich nachverfolgen, wie oft der Schlauch gewaschen wurde, wie alt er ist, und welche Reparaturen gemacht wurden. Das ist alles dokumentiert und kann nachverfolgt werden“, erklärt er.
Auch zwei Spezialanhänger haben ihren Platz. Einer von ihnen ist auf Ölspuren spezialisiert. Kehrmaschine, Absperrmaterial, Schaufel und Besen sind darin. Den zweiten betitelt das Führungsduo als „Unwetteranhänger“. Eine Schmutzwasserpumpe und ein kleines Stromaggregat sind unter anderem darin verstaut. „So können wir an drei Stellen autark arbeiten“, sagt Ulrich.
Im Magazin selber steht ein großes Stromaggregat, das im Notfall das Feuerwehrmagazin am Laufen halten soll. „In Zukunft wird das auf die Stadt zukommen, dass ein Neues beschafft werden muss“, sagt Ulrich. Denn das Aggregat sei in die Jahre gekommen. „Im Fall der Fälle wird das Feuerwehrmagazin auch Sammelpunkt“, erklärt Prior.
Eine Etage höher finden sich allerlei Dinge, die vom alten ins neue Magazin mit umgezogen sind. Unter anderem zwei Übungspuppen, die den Feuerwehrleuten als Übungsobjekte für die Menschenrettung dienen sollen. Nebenan lagert ein Motor für ein Boot. „Vor 30 Jahren wurde in den Katastrophenschutz noch gut investiert“, sagt Ulrich. Damals habe die Feuerwehr mitunter ein Boot bekommen. „Die Beschaffungen für Notfalleinsätze haben nachgelassen“, sagt Ulrich. „Wir gehen aber davon aus, dass das in den nächsten Jahren wieder kommen wird.“
Außenbereich
Waschplatz: Vor der Fahrzeughalle ist ein Platz eingerichtet, an dem die Fahrzeuge gewaschen werden können. „In der Waschplatte ist ein Ölabscheider integriert, dass Öl nicht ins Abwasser gelangen kann“, erklärt Prior. Denn das Regenwasser rund um das Magazin werde in Entwässerungsmulden abgelassen.
Übungsturm: Etwa 15 Meter hoch und in drei Ebenen unterteilt – mit Balkon, Fenster und französischem Balkon – ist der Übungsturm, auf dem der Feuerwehr-Schriftzug sowie die „112“ von weit her zu erkennen sind. „Hauptsächlich wird er zum Üben mit der Drehleiter, dem Retten von Personen mit der Trage und dem Hantieren mit vollem Schlauch im Treppenhaus genutzt“, erklärt Ulrich. Damit sei die Feuerwehr flexibler, müsse keine Absprachen mehr mit Eigentümern von Gebäuden halten, die sich für Übungen eignen. Auch die Wegstrecken entfallen dadurch. „So sind wir auf niemanden angewiesen“, sagt Ulrich. Runde Schächte im Boden dienen der Truppe Absturzsicherung für die Schachtrettung.
erschienen: schwaebische.de 17.08.2021